Sanduhr auf einem verschlossenen Versandkarton, der Messingrand leuchtet petrolfarben
Ratgeber

Amazon kürzt die Rückgabefrist: Was Du jetzt an Listings und Rechtstexten ändern musst

Seit dem 1. September 2026 gilt in vielen Amazon-Kategorien nur noch das gesetzliche Widerrufsrecht von 14 Tagen. Was das für Deine Rechtstexte, Deine Retouren und Deine Kalkulation bedeutet.

Was sich zum 1. September geändert hat

Amazon hat seine freiwillige 30-Tage-Rückgabegarantie in einer Reihe von Kategorien gestrichen. Dort gilt seitdem das, was ohnehin gilt: die gesetzliche Widerrufsfrist von 14 Tagen. Ein Gesetz hat sich damit nicht geändert, weggefallen ist ein freiwilliges Versprechen. Deine Pflichten sind dieselben wie vorher, nur die Erwartung der Kunden ist eine andere.

Welche Kategorien betroffen sind, geben die Angaben in der Fachpresse unterschiedlich wieder. Verlass Dich deshalb nicht auf Listen von außen, sondern schau in Seller Central unter den Rückgabeeinstellungen nach. Das ist die einzige Quelle, die für Dein Sortiment verbindlich ist.

Warum 14 Tage nicht gleich 14 Tage sind

Die 30 Tage waren ein Rückgabefenster: zurückschicken innerhalb dieser Zeit, fertig. Die gesetzliche Frist funktioniert anders. Der Kunde muss den Widerruf innerhalb von 14 Tagen nach Erhalt erklären und hat danach noch einmal 14 Tage, die Ware abzusenden. In der Praxis kann eine Retoure also weiterhin knapp vier Wochen nach der Lieferung bei Dir ankommen. Wer im Lager mit einem harten Stichtag plant, plant an der Realität vorbei.

Der Punkt, an dem es teuer wird: Deine eigenen Angaben

Viele Händler haben die 30 Tage irgendwann in ihre eigenen Texte übernommen. In die Widerrufsbelehrung, in einen Hinweis unter den Bullet Points, in die Textbausteine im Kundenservice, manchmal auch in ein A+ Modul. Wenn dort eine Frist steht, die Amazon nicht mehr abbildet, hast Du zwei widersprüchliche Aussagen im Umlauf.

Fristangaben lassen sich von außen ohne Aufwand nachlesen und werden deshalb gern abgemahnt. Geh dabei auch durch die Bilder und den A+ Content, denn dort steht so etwas oft seit Jahren und fällt niemandem mehr auf.

14 oder 30 Tage: eine Entscheidung, keine Vorgabe

Amazon erlaubt weiterhin, freiwillig längere Fristen zu gewähren. Bei margenschwachen Artikeln mit hoher Retourenquote nimmt die kürzere Frist Druck raus. Bei erklärungsbedürftigen Produkten, bei denen der Kunde erst nach zwei Wochen merkt, ob das Ding zu ihm passt, kann die längere Frist ein Verkaufsargument bleiben. Wichtig ist, dass Du die Entscheidung bewusst triffst und dass sie danach überall gleich steht.

Was das mit Deiner Kalkulation macht

Retouren sind ein Kostenblock, der oft zu grob geschätzt wird. Ob sich die Quote durch die kürzere Frist verschiebt, erfährst Du nur, wenn Du weißt, wo Du vorher standest. Zieh Dir die Retourenberichte aus der Zeit vor der Umstellung, solange sie noch sauber getrennt sind, und ändere in denselben Wochen nicht gleichzeitig den Preis. Sonst kannst Du hinterher nicht sagen, was gewirkt hat.

Wie wir das im eigenen Konto angefasst haben

Der Aufwand war kleiner als gedacht, verteilte sich aber auf mehr Stellen als erwartet. Wir sind bei EyeAm und eazyrun die Listings einzeln durchgegangen und haben jede Stelle gesucht, an der eine Rückgabefrist auftaucht. Danach kamen die Textbausteine im Kundenservice dran, damit niemand aus Gewohnheit noch 30 Tage zusagt. Am Ablauf im Lager haben wir nichts geändert, weil die zweigeteilte Frist das ohnehin nicht hergibt.

Wenn Du wissen willst, wo die alten 30 Tage noch in Deinen Listings stehen, schreib uns eine Mail. Wir haben das für unser eigenes Sortiment gerade hinter uns.